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Gutes Beispiel: DRK Klima-Kita Ehmen - Von der KKN-Fortbildung zur Klima-Kita

Yvonne Sacht war schon immer ein „klimapositiver“ Mensch, doch durch die Fortbildungen und die Unterstützungsangebote des Klima-Kita-Netzwerk (KKN) ist sie auch beruflich richtig in Schwung gekommen. Heute leitet sie die Klima-Kita Ehmen und arbeitet gemeinsam mit ihrem Team daran, die Kita Stück für Stück nachhaltiger und klimaschonender zu machen und auch die Familien auf diesem Weg gut mitzunehmen. Ohne den erhobenen Zeigefinger und mit Fingerspitzengefühl.

Ihre erste KKN-Fortbildung nahm Yvonne Sacht noch als pädagogische Mitarbeiterin der Kita Ehmen wahr. Nachhaltigkeit und Klimaschutz waren ihr auch privat schon ein Anliegen und als sie darüber informiert wurde, dass sie eine im Neubau befindliche Kita in Leitungsfunktion übernehmen solle, stand die konzeptionelle Ausrichtung für sie fest! Es folgte eine Teilnahme an der KKN-Leitungsfortbildung, die sie weiter bestärkte, die neue Kita ressourcenschonend und im Sinne von Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) auszurichten. „Der Austausch mit den anderen Leitungen war für mich besonders hilfreich. Wir stehen alle vor den gleichen Problemen: Fachkräftemangel, hoher Krankenstand und viele Vorgaben vom Land. Da konnte ich von den Erfahrungen der anderen Teilnehmenden viel mitnehmen,“ berichtet Yvonne Sacht.

Bei der Konzeptentwicklung für die Klima-Kita Ehmen hat Yvonne Sacht zunächst einmal die Schnittmengen von BNE und Klimaschutz mit dem niedersächsischen Orientierungsplan für Bildung und Erziehung identifiziert. Dabei hat sie festgestellt, dass es in allen  9 Lern- und Erfahrung-Feldern Schnittmengen gibt Mathematisches Grundverständnis lässt sich beispielsweise dadurch fördern, dass man mit den Kindern beobachtet, wie viel bzw. wie lange das Wasser bei der großen und der kleinen Toilettenspültaste fließt. Im Kinderparlament wird diskutiert und demokratische Entscheidungen getroffen, was zum Beispiel auf emotionale Entwicklung und soziales Lernen einzahlt.

Klimaschutz und BNE haben aber auch mit dem Leitbild des Deutschen Roten Kreuz einiges gemeinsam. „Ziele wie Menschlichkeit und Einheit finde ich besonders passend, denn genau darum geht es doch beim Klimaschutz oder?“ Außerdem prüfte sie, welche Klimaschutzmaßnahmen ohne weiteres im Kita-Alltag verankert werden könnten. All diese Informationen präsentierte sie im Rahmen eines ersten Teamtags ihren Kolleginnen. Hierfür nutzte sie KKN-Folien, informative Videos und Leitfragen zum Gesprächsaustausch. „Nach anfänglichen Unsicherheiten, dass nun noch mehr Arbeit auf die Mitarbeitenden zukommt, war die Stimmung am Ende des Teamtages sehr konstruktiv. Es kamen tolle Ideen vom Team. “Es war zum Beispiel ganz schnell klar, dass wir eine Schuhfreie Kita werden, denn weniger Putzmittel sind auch gesünder für die Kinder. Außerdem wollten wir ein eigenes Frühstücksangebot auf die Beine stellen, bei dem die Eltern zwar einen kleinen Beitrag zahlen müssten, wir aber gute Bio Qualität anbieten können.“, erzählt Yvonne Sacht stolz. Die Checkliste, die Materialien und Literaturempfehlungen des KKN boten bei dem Prozess der Konzeptentwicklung Inspiration und Unterstützung.

Gegenüber den Eltern ist für Yvonne Sacht Transparenz sehr wichtig. Um ihnen die Sorge zu nehmen, dass ihr Kind in der Kita zum „Klimaaktivisten“ erzogen wird, haben die Mitarbeitenden z.B. einen Elternabend mit kleinen Workshops organisiert, in denen die Eltern in die Rolle ihrer Kinder geschlüpft sind. Dort haben Sie in gesundes und klimaneutrales Frühstück  zubereitet, einen Morgenkreis  erlebt, bei dem das Wetter besprochen und der Tagesablauf gemeinschaftlich angestimmt wurde. In der Krippe wurden die Beteiligungsmöglichkeiten der Kleinkinder mit Bildkarten vorgestellt. Dabei haben die Eltern auch erfahren, wie selbstverständlich das Thema Nachhaltigkeit und Klimaschutz im Kitaalltag gelebt wird und welche Gruppenregeln es gibt.

Was das Team in den ersten Jahren unter anderem mit einer Wochenpost und Bildercollage gemacht haben, erledigt mittlerweile eine App, in der die Eltern meist täglich am Tagesgeschehen teilnehmen. Diese Maßnahme schafft Zugehörigkeit und hat Eltern aktiviert: Ein Flohmarkt, Müllsammelaktionen, Gartenprojekte, kleine Reparaturen und vieles mehr werden durch die Elternschaft tatkräftig unterstützt.

„Wichtig ist uns, ein gutes Vorbild zu sein. Dazu gehört, wir nicht mit dem erhobenen Zeigefinger auf das „Fehlverhalten“ anderer zeigen. Stattdessen legen wir Wert auf Aufklärung und kleinschrittige Handlungsalternativen“, beschreibt Yvonne Sacht den Weg ihrer Kita.

Auch mit Blick auf die Bewirtschaftung und Beschaffung ist sie pragmatisch: „Letztendlich ist ein Kindergarten auch eine wirtschaftliche Institution und es kann nicht immer das Hochwertigste und Ökologischste sein. Wir als Team mussten lernen, wo unsere Grenzen beim Klimaschutz liegen. Beispielsweise können wir nicht einfach unsere Heizungsanlage tauschen/unser Gebäude sanieren….Wir suchen nach unseren Handlungsmöglichkeiten“ .“ Ein weiterer großer Hebel ist die Küche. Die Kita bestellt ein rein vegetarisches Mittagessen und spart dadurch nicht nur Ressourcen sondern auch Geld, das sie in Bio-Lebensmittel investiert. „Dies ist ein Prozess, den wir in kleinen Schritten und sehr eng mit unserer Elternschaft erarbeiten“, so Sacht

Dazu hat Yvonne Sacht noch einen Tipp: „Ich bin ein großer Fan der KKN-Checkliste! Dort werden sowohl große Punkte wie Bauliches abgefragt als auch kleine Stellschrauben, die großes bewirken wie einfach im Büro doppelt zu drucken. Die Liste sollte man einmal jährlich begutachten und schauen, welche Ziele man sich setzen möchte.“

 

Die Klima-Kita Ehmen hat bei der KAW 2022 den 1. Preis gewonnen.

Region Nord

Einrichtung: DRK Klima-Kita Ehmen

Träger: DRK

Einrichtungsleitung: Yvonne Sacht

Anzahl Gruppen: 6

Anzahl Kinder: 107

Alter der Kinder: 1-6

Anzahl MA: 15 mittlerweile mit Azubi und Küche 40

Aktionen und Auszeichnungen: Die Klima-Kita Ehmen hat bei der KAW 2022 den 1. Preis gewonnen

 

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E-Mail: info@klima-kita-netzwerk.de