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Gutes Beispiel: Ein trägereigenes Nachhaltigkeits-Logbuch als Werkzeug für Veränderungsprozesse

Das studierendenWERK Berlin bietet Verpflegung, Wohnen, Beratung, Finanzierung, Kinderbetreuung und Kultur für mehr als 170.000 Studierende in Berlin. In sieben Kindertagesstätten werden ca. 650 Kinder von studierenden Eltern und Hochschulmitarbeitenden betreut. Schwerpunkte der pädagogischen Arbeit bilden Partizipation/demokratische Teilhabe, offene Arbeit, Inklusion und Kinderschutz.

Das studierendenWERK Berlin hat es sich zum Ziel gesetzt, Nachhaltigkeit, Klima- und Ressourcenschutz in allen Tätigkeitsbereichen zu verankern und mithilfe vielfältiger Maßnahmen umzusetzen. So wurden beispielsweise die Mensen auf ein klimafreundliches Verpflegungsangebot umgestellt: Neben vegetarischen Essensoptionen gibt es auch eine rein vegane Mensa. Lebensmittelabfälle werden überwacht und gezielt reduziert, der Energieverbrauch ebenso. Auch die Kitas des Trägers schlossen sich dem Nachhaltigkeitskonzept an und haben ihr Verpflegungsangebot angepasst sowie den gesamten Einkauf nach Nachhaltigkeitskriterien organisiert. Ausgehend von diesen strukturellen Veränderungen ging es dann darum, die Kita-Mitarbeitenden ins Boot zu holen. Wie ist das gelungen?

Im März 2024 veranstaltete das studierendenWERK Berlin einen Fachtag zum Thema „Bildung für nachhaltige Entwicklung in der Kita“ für alle pädagogischen Fachkräfte und Kitaleitungen. Ziele dieser Veranstaltung waren, einen Raum für Inspiration, Austausch und kollegiale Beratung innerhalb des gesamten Kollegiums zu BNE zu öffnen und konkrete Ideen für Klima- und Ressourcenschutz in der Kita zu entwickeln. Dem Fachtag vorausgegangen war die Gründung der AG BNE, an der alle interessierten Fachkräfte aus den Kitas teilnehmen können. Die Leitung der AG liegt bei der pädagogischen Fachberatung. Die AG wurde beauftragt, den Fachtag vorzubereiten. Auf Grundlage der Broschüre „Nachhaltig durchs Kitajahr“ vom Klima-Kita-Netzwerk, die für jeden Monat Aktionsideen zu Nachhaltigkeitsthemen vorschlägt, konzipierten die AG-Mitwirkenden gemeinsam zwölf Workshops für den Fachtag – ein Workshop pro Kalendermonat mit je einem Nachhaltigkeitsthema. Leitend war dabei die Frage, wie die Anregungen in die Bildungsarbeit der Teams getragen und durch eigene Ideen ergänzt werden können.

Den Fachtag begleitete Meike Lechler vom Klima-Kita-Netzwerk. Nach einem spielerischen Nachhaltigkeits-Quiz und einem fachlichen Input zu Bildung für nachhaltige Entwicklung am Beispiel von Klima- und Ressourcenschutz setzten sich die rund 120 teilnehmenden Fachkräfte an Thementischen zunächst mit Fragen rund um Bildung für nachhaltige Entwicklung auseinander und diskutierten sie. Hierfür wurde eine Auswahl an Fragekarten aus dem Spiel 66 x BNE genutzt, das notwendige Veränderungsprozesse in drei Bereiche gliedert: Führungs-, Kern- und Unterstützungsprozesse. Das Spiel wurde von Wamiki auf Grundlage des Referenzrahmens für eine frühkindliche Bildung entwickelt (Darauf aufbauend entstand das BNE-Lernspiel „Am Riff“). Jede Karte benennt auf der Vorderseite einen Baustein und eine Anforderung. Auf der Rückseite steht die passende Frage, der Praxisindikator, anhand dessen diskutiert werden konnte, inwieweit dieser bereits zutrifft bzw. welche Schritte unternommen werden sollten, um die Einrichtungen nachhaltiger zu gestalten.

Zentrale Fragen aus den Themenfeldern waren beispielsweise:

  1. Teamverständnis zu BNE:
  • Wissen Träger, Leitung und die pädagogischen Fachkräfte um ihre Vorbildfunktion zu Themen von Bildung für nachhaltige Entwicklung und leben diese?
  • Reflektieren Träger, Leitung und Team gemeinsam mindestens einmal jährlich die Organisationsstrukturen und Angebote ihrer Einrichtung unter den Anforderungen der Bildung für nachhaltige Entwicklung?
  • Haben die Mitarbeiter*innen ausreichend Zeit dafür, sich im Rahmen von Fort- und Weiterbildungen mit Themen der Bildung für nachhaltige Entwicklung regelmäßig und angemessen auseinandersetzen zu können?
  1. Räumliche Gestaltung
  • Werden bei der Ausstattung und Gestaltung der Räume und bei der Beschaffung von Materialien Kriterien der Nachhaltigkeit beachtet?
  • Gibt es frei zugänglich Materialien, die Kindern und Erwachsenen immer wieder Anlass geben, sich mit verschiedenen Aspekten zukunftsorientierten Handelns auseinanderzusetzen und diese im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung auszuprobieren und einzuüben?
  1. Partizipation
  • Ist ein Beschwerdemanagement etabliert, um die Kritik und die Anregungen der Kinder verlässlich zu dokumentieren, auszuwerten und umzusetzen?
  • Erleben Kinder in partizipativen Prozessen und in demokratischen Strukturen, dass ihre Ideen und Vorschläge einbezogen, diskutiert und verwirklicht werden und entwickeln auf diese Weise ein Verständnis für Demokratie?
  1. Engagement im Sozialraum
  • Suchen und gestalten Träger, Leitung und pädagogische Mitarbeiter*innen aktiv die Zusammenarbeit mit Organisationen und Einrichtungen aus dem Umfeld der Kita und tragen damit zu der Gestaltung einer nachhaltigen Bildungslandschaft bei?
  1. Bildungsarbeit
  • Erfahren Kinder im pädagogischen Alltag und in Projekten zu Themen der Bildung für nachhaltige Entwicklung, dass ihr Handeln Konsequenzen hat, dass sie Sachverhalte alleine oder in Gemeinschaft beeinflussen und in diesem Sinne selbst wirksam sein können?
  • Ist es Kindern möglich, über Themen einer nachhaltigen Entwicklung wie beispielsweise über Gerechtigkeit und über Solidarität zu philosophieren?
  1. Zusammenarbeit mit Eltern
  • Werden Eltern an der Planung und Durchführung von Veranstaltungen beteiligt, die unter den Kriterien der Nachhaltigkeit stehen?
  • Werden das Wissen, die Erfahrungen und das Engagement der Eltern für die Bildungsarbeit genutzt?
  1. Bewirtschaftung und Beschaffung
  • Gibt es eine Richtlinie mit Empfehlungen für eine umweltverträgliche und verantwortungsbewusste Bewirtschaftung und Beschaffung, die allen bekannt ist?
  • Achten Träger, Leitung und pädagogische Mitarbeiter*innen entsprechend den Empfehlungen darauf, dass bei der Anschaffung von Verbrauchsgütern und Materialien Nachhaltigkeitskriterien berücksichtigt werden?

Nach anregenden Diskussionen zu den Fragen erarbeiteten die Pädagog*innen in Kleingruppen in der anschließenden Workshopphase Ideen zu zwölf unterschiedlichen Nachhaltigkeitsthemen (nachhaltige Ernährung, Wasser, klimafreundliche Mobilität etc.). In jedem Workshop wurden Ideen entlang folgender Leitfragen entwickelt:

  1. Welcher Einstieg kann gewählt werden?
  2. Wie können Kinder für das Thema sensibilisiert werden?
  3. Welche Materialien brauchen wir?
  4. Wie kann die Umsetzung in der Kita aussehen?
  5. Welche Hindernisse/Grenzen können auftreten? Wie könnte man diesen begegnen?
  6. Welche Herausforderungen stellen sich für die Fachkräfte?
  7. Wer macht mit? Brauchen wir Kooperationen z.B. Träger, Eltern, bestimmte Institutionen?
  8. Wie sieht der Zeitplan aus?

Alle Ideen wurden von der pädagogischen Fachberatung und der Qualitätsmanagementbeauftragten für die Kitas gesammelt, aufbereitet und in einem eigenen Logbuch „verarbeitet“. Dieses wurde gedruckt und steht jetzt allen Kitateams für die pädagogische Arbeit rund um Klima- und Ressourcenschutz So müssen die Räder nicht immer wieder neu erfunden werden, die Mitarbeitenden können sich auf das gemeinsam Erarbeitete beziehen und so einfacher Veränderungsprozesse gestalten.

Region Ost

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E-Mail: info@klima-kita-netzwerk.de