Sie befinden sich hier:

Gutes Beispiel: Gelebte Nachhaltigkeit in allen Handlungsfeldern

Die Ko-Kita Kleine Farm in Bobingen

Acker, Tiere, Natur, Umwelt, Wald und Nachhaltigkeit zu vereinen und in die täglichen Abläufe zu integrieren – das war ein zentrales Anliegen bei der Gründung der Kita Kleine Farm in Bobingen.

Durch das Engagement der privaten Träger Sandra und Jürgen Kaiser entstand das heutige Konzept und die nachhaltige, klimaschonende Ausrichtung der Kita. So wurde die Kleine Farm im Jahr 2020 nach ökologischen und ressourcenschonenden Kriterien erbaut, mit eigenem Acker vor der Tür, in fußläufiger Nähe zu Wiese und Wald und einem Naturgarten, wo hauseigene Schafe und Hühner leben.

 

Pädagogische Leitidee

„Uns war bei der Gründung der Kita Kleine Farm die Naturbegegnungen besonders wichtig, denn sie bildet die Basis für klima- und ressourcenschonendes Handeln. Wie es so schön heißt – nur was man kennt, kann man auch schützen“, erzählen die privaten Träger Sandra und Jürgen Kaiser. Dieses wurde in der Konzeption festgehalten. Um Klima- und Ressourcenschutz auch in der Bildungsarbeit zu verstetigen, nahm die heutige Leiterin Conny Kraushaar 2022 im Rahmen des an einer dreitägigen Erzieher*innenfortbildung des Klima-Kita-Netzwerkes (KKN) teil. Schnell war klar – die Kita Kleine Farm wird Konsultationskita. „Als uns die Anfrage des KKN zur Konsultationskita erreichte, freuten wir uns. Denn auf der einen Seite bot sich für uns die Gelegenheit durch eine Teamfortbildung das gesamte Team zu Klima- und Ressourcenschutz ins Boot zu holen. Auf der anderen Seite können wir anderen Kita-Trägern und Kitas von unserem ökologisch-baubiologischen Konzept sowie der naturnahen, tiergestützten Pädagogik berichten“, erzählt Conny Kraushaar.

 

Nachhaltiger Lebensmittelkreislauf – vom Acker auf den Teller und mit Tierhaltung

Zentrales Element ist die saisonale, gesunde und nachhaltige Ernährung. Seit dem Jahr 2021 gibt es den hauseigenen Acker, der in Trockenzeiten über eine Regenwasserzisterne bewässert wird. Die Idee zur Eigenversorgung entstand durch den Träger. Das Mittagessen wird von zwei Köchinnen täglich frisch zubereitet und orientiert sich an den Lebensmitteln, die der kitaeigene Acker liefert. Wenn diese nicht verfügbar sind, werden Produkte aus dem im Gebäude integrierten eigenen Bio-Hofladen verwendet, der biologische, überwiegend regionale und unverpackte Waren anbietet. Conny Kraushaar, berichtet: „Die Kinder erleben den ganzen Kreislauf selbst: Wie wandert der Samen in die Erde, wie gedeiht das Pflänzchen, welche Teile landen auf dem Teller, was kann ich Leckeres daraus kochen und was passiert mit den Resten. Wir versorgen 18 Hühner mit Speiseresten und die Hühner wiederum die Kinder mit frischen Eiern.“

Abbildung 1: Das Gebäude, ein ehemaliger Bauernhof, nach ökologischen und ressourcenschonenden Kriterien in Nähe zu Wiese und Wald umgebaut.

Fotos: Conny Kraushaar und Anja Schnatterer

 

Neben den Hühnern pflegt auch eine kleine Herde Schafe als „Naturrasenmäher“ den Außenbereich der KiTa. “Der Acker- und Tierdienst ist mittlerweile in unserem Alltag integriert. Dabei hat uns auch der Austausch und die Handreichung pädagogischer Konzepte – vor allem die Workshopeinheit „Philosophieren mit Kindern“ geholfen“, erinnert sich die Leiterin. Seitdem bieten die Kinder stolz ihr selbstgeerntetes Gemüse gegen Spende in der Einrichtung und im Bioladen an. Und die Futter- und Stalldienste finden großen Anklang, sowohl bei Kindern als auch beim Team und in der Elternarbeit.

Abbildung 2: Der Naturgarten mit Schafen

 

Klima- und Ressourcenschutz auch bei Bau, Betrieb und Einrichtung

Eine Besonderheit stellt der Bau und die Einrichtung der gesamten Kita dar. Aus einem alten Bauerhofgebäude wurde unter Berücksichtigung baubiologisch-ökologischer Kriterien und viel Eigeninitiative eine vorbildliche Einrichtung geschaffen: Wiederverwendung eines bereits bestehenden Gebäudes statt Abriss und Neubau, Einbindung von bestehenden Bauteilen, Verwendung von Naturmaterialien großteils aus der Region tragen zu einer schon bei Errichtung des Gebäudes bei.

Auch die Gestaltung der Außenanlagen schließt sich dieser Philosophie an: PV- Anlage, Zisterne zur Gartenbewässerung, Dachbegrünung von Ställen und Schuppen, Verwendung von gebrauchten Baustoffen z.B. Holzstempel und gebrauchte Ziegel bei der Treppengestaltung im Außenbereich, Blumenwiesen und wilde Ecken, heimische Obstbäume und Sträucher waren dabei selbstverständlich.

Der Innenbereich der Kita ist nach ökologischen Kriterien mit Naturmaterialien und giftfrei diffusionsoffen. Die Hochebenen in den Gruppenräumen sowie nahezu alle Möbel sind aus heimischen Hölzern und wurden größtenteils selbst von Hand gebaut. Die Bäume dafür wurden in Zusammenarbeit mit dem zuständigen Förster bereits drei Jahre vor Eröffnung der Kita gefällt und entrindet.
Die Einrichtung der Büro- und Aufenthaltsräume, ein Wartebereich und das Teamzimmer, bestehen ausschließlich aus Second- Hand- Möbeln wie z.B. Kinostühle, eine gebrauchte Eckbank aus einer Gastwirtschaft und einem Kicker.

Abbildung 3: Der Spielbereich mit Hochebene, das Baumaterial stammt aus dem benachbarten Wald

 

Vernetzung und Austausch sind wichtig

Nicht jeder muss das Rad neu erfinden: „Infolge der Hospitationen im Rahmen des Klima-Kita-Netzwerkes erhielten wir mehrere Anfragen für Ortsbegehungen. Das Interesse an unserem Konzept war enorm. Das freut uns. Durch den Austausch in diesen Fortbildungen und Hospitationen ist mir noch deutlicher bewusst geworden, wie wichtig diese Arbeit zu Nachhaltigkeit und Klimaschutz in der Kita ist,“ resümiert Conny Kraushaar.

Region Süd

Einrichtung: Kindertagesstätte „Kleine Farm“ Bobingen

Träger: Sandra und Jürgen Kaiser

Einrichtungsleitung: Conny Kraushaar

Anzahl Kinder: 94

Alter der Kinder: 11 Monate bis Schuleintritt

Betreuungsumfang: Mo- Fr: 6:45 – 16:00, 1 Krippe, 3 Kiga- Gruppen im Haus, 1 Naturgruppe

Aktionen und Auszeichnungen: Ackerkita, Konsultationskita für das KKN

 

Fragen zu guten Beispielen?

Dann melden Sie sich gerne per

E-Mail: info@klima-kita-netzwerk.de