Der Prozess zur Verstärkung von Klima- und Ressourcenschutz in Kombination mit der Implementierung von BNE begann in der Kita Eisvögel mit der Fortbildung einer Erzieherin, die so begeistert war, dass im zweiten Schritt auch der Leiter der Kita eine KKN-Fortbildung besuchte. In der Teamfortbildung, die die Kita durch ihre Teilnahme an der Klimaaktionswoche 2023 gewann, wurden direkt Nägel mit Köpfen gemacht: Das Team verabredete die Ausarbeitung eines BNE-Konzepts, das wenige Monate später veröffentlich wurde und seitdem Orientierung für alle Beteiligten bietet!
KKN: Heiko Herbst, Sie selbst und Ihr Team haben an diversen KKN-Fortbildungen teilgenommen. Was war daran hilfreich und unterstützend?
Heiko Herbst: Die Angebote haben unser Engagement beflügelt! Sicher war bei einzelnen Personen schon vorher Interesse an Klima- und Ressourcenschutz vorhanden, aber durch die Fortbildungen haben wir uns als Team intensiv damit beschäftigt und durch die vielfältigen Anregungen gemeinsam herausgefunden, welche Möglichkeiten wir in unserem Arbeitsalltag haben. Auch die Vernetzung mit anderen Kitas und der Erfahrungsaustausch waren sehr hilfreich.
KKN: Was hat sich aus den KKN-Impulsen konkret entwickelt?
Wir wurden und werden uns gemeinsam mit den Kindern zunehmend über den Verbrauch von Ressourcen und die Notwendigkeit, sie zu schützen bewusst. In Bezug auf das Themenfeld Müll beispielsweise beschäftigen wir uns regelmäßig mit der Frage, wie wir Müll vermeiden können. Über Aktionen wie „plastikfreie Brotdose“ oder die Herstellung plastikfreier Blumentöpfe aus Zeitungspapier beschäftigen wir uns immer wieder mit Fragen zur Müllvermeidung. In der Beschaffung achten wir z.B. auf hochwertiges Spielzeug und nutzen Papierreste aus einer lokalen Druckerei als Malpapier. Wir wenden die Prinzipien einer nachhaltigen Entwicklung aber auch auf andere Handlungsfelder an. Frühstück und Rohkost für zwischendurch kaufen wir auf dem Wochenmarkt, wenn finanziell möglich auch Bio und Fair. All dies geschieht immer gemeinsam und im Austausch mit den Kindern.
KKN: Pädagogische Fachkräfte haben eine Vorbildfunktion. Hat sich das Verhalten des Teams verändert?
Ich spreche für das ganze Team, wenn ich sage, dass wir auch unser persönliches Verhalten intensiv reflektiert und teilweise auch verändert haben. Ich fahre seitdem zum Beispiel öfter mit dem Rad und versuche, tierische Lebensmittel zu reduzieren. Eine Kollegin hat sogar ihr Auto verkauft und kommt nun immer zu Fuß zur Arbeit. Wir versuchen auch, unser Umfeld möglichst gut mitzunehmen, indem wir z.B. das Kinderbetreuungsamt und die Eltern gut Informieren und bei möglichst vielen Aktivitäten einbinden.
KKN: Daraus sind auch einige Bildungsanlässe wie die BNE-Ideenwand entstanden …
So ist es. Die BNE-Ideenwand ist eine Pinnwand, über die alle Erwachsenen, die in unserer Kita ein und ausgehen, Aktionen, Angebote und Ideen rund um Nachhaltigkeit und Ressourcenschutz miteinander teilen können. Im Kita-Alltag kommen wir immer wieder und automatisch über den Gemüsegarten, den Kompost oder den Wassertank mit den Kindern ins Gespräch und der Gedanke des Ressourcenschutzes wird wach gehalten. Das Tauschregal und die jährliche Müllsammelaktion sind weitere Beispiele, wie wir nachhaltige Handlungsoptionen mit den Kindern pflegen und dabei die Eltern einbinden.
KKN: Sie haben zusätzlich zu dem Kita-Konzept ein BNE-Konzept entwickelt. Wie hat sich dieser Prozess entwickelt?
Heiko Herbst: Die Idee für ein BNE-Konzept hat sich nach und nach entwickelt. Uns ist es ein Anliegen geworden, BNE und Ressourcenschutz in unser Umfeld zu transportieren. Das haben wir kleinschrittig getan, zum Beispiel durch Informationen, die wir ausgehängt haben und Aktionen mit Kindern und ihren Eltern. Da Ressourcenschutz und BNE ein aus unserer Sicht ein wichtiges Thema ist, wollten wir es dauerhaft in der päd. Arbeit unserer Kita verankern – mit einem Konzept. Die Teamfortbildung war hierfür ein wichtiger Impuls. An einem Studientag haben wir dann das Grundgerüst erarbeitet und schließlich in Kleingruppen ausformuliert.
KKN: Was steht in diesem separaten BNE-Konzept drin und warum ist es wichtig?
Heiko Herbst: Das BNE-Konzept haben wir in erster Linie für uns als Kita geschrieben, es richtet sich also an alle Mitarbeitenden und Eltern. Wir erläutern darin zunächst einmal, warum eine nachhaltige Entwicklung und BNE aus unserer Sicht wichtig ist und was sie für den Kita-Alltag bedeutet. Wir stellen wichtige Kompetenzen im Sinne der BNE-Gestaltungskompetenz vor und beschreiben ganz konkret und nachvollziehbar, wie wir diese durch unsere Angebote (z.B. im Garten) fördern. Außerdem formulieren wir Visionen zu den verschiedenen Handlungsfeldern bzw. Nachhaltigkeitszielen. Wir beschreiben, was wir im Bereich Wasser, Ernährung, Abfall oder Energie in den kommenden Jahren umsetzen möchten. Das ist gut für unsere Orientierung und die Eltern bzw. der Träger wissen auch, was auf sie zukommt!
KKN: Was möchten Sie Kitas mitgeben, die sich gerade erst auf den Weg zu einem Lernort für Klima- und Ressourcenschutz zu machen?
Heiko Herbst: Ein wichtiger Punkt war die Aussage in den KKN-Fortbildungen, dass BNE – wenn man das Konzept einmal verinnerlich hat – eigentlich keine Mehrarbeit bedeutet, sondern natürlicher Bestandteil der täglichen pädagogischen Arbeit ist. Diese Aussage können wir inzwischen bestätigen! Wir haben die schöne Erfahrung gemacht, dass wir Impulse geben können, die zu Veränderungen führen. Werden diese Impulse nicht offensichtlich angenommen, dann lassen wir uns davon nicht demotivieren – denn es braucht Zeit, bis aus einem Samen eine Pflanze gewachsen ist, die Früchte trägt. Und wir wollen diese Samen aussäen – so, wie es der Löwenzahn macht!

