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Gutes Beispiel: Nachhaltige Kitaverpflegung in der Villa Pixie

KKN: Ihr habt in der Villa Pixie auf vegetarische Verpflegung umgestellt und habt euch viel mit Ernährung beschäftigt. An welchem Punkt steht ihr heute? Kannst du euer Verständnis nachhaltiger Ernährung und euren Umgang damit kurz skizzieren?

Monic Westphal: Wir haben schon so einige kleine Projekte mit den Kindern gestartet. Wo kommt unser Essen her? Wie lange benötigt es zum Wachsen? Warum wird so viel Essen verschwendet? Wir kochen regelmäßig, bauen eigenes Obst und Gemüse an, kaufen viele Produkte regional und biologisch und besprechen das mit den Kindern. Zusätzlich haben wir die Möglichkeit beim Bio-Markt Lebensmittel zu „retten“ und daraus leckere Speisen zuzubereiten. Für uns bedeutet nachhaltige Ernährung, dass wir uns bewusst machen, wo unsere Lebensmittel herkommen, was sie fürs Wachstum brauchen, wie lange es dauert, bis sie fertig sind.

 

Foto: © Monic Westphal (Villa Pixie)

KKN: Aus welchem Impuls heraus habt ihr euch dem Thema einer nachhaltigen Ernährung zugewandt und wie seid ihr es angegangen?

Wir beschäftigen uns in unserem Team nun schon lange mit der Klimakrise und versuchen auszumachen, welche Hebel wir bedienen können. Da lag die Umstellung auf vegetarische Ernährung auf der Hand, 70 Prozent der direkten Treibhausgasemissionen unserer Ernährung sind auf tierische Produkte zurückzuführen. Pflanzliche Kost verursacht deutlich weniger Klimagase. Auch ethisch-moralische Gründe wollten wir nicht außer Acht lassen. Die Zustände in der industriellen Tierhaltung empfinden wir als erschreckend. Deshalb möchten wir diese durch unsere Kita-Verpflegung nicht unterstützen.

 

KKN: Ihr habt die Verpflegung in der Kita auf vegetarische Kost umgestellt. Wie lief dieser Prozess und wie war die Resonanz im Team, bei den Kindern und den Eltern? Und wie habt ihr darauf reagiert?

 

In unserem Team gibt es schon lange Menschen, die sich vegetarisch ernähren. Dadurch hatten wir immer auch Gesprächsbedarf. Bei einer Teamfortbildung des Klima-Kita-Netzwerks zu nachhaltiger Ernährung hatten wir als Team Gelegenheit das Für und Wider einer vegetarischen Kitaverpflegung zu diskutieren. Letztlich haben wir uns glücklicherweise gemeinsam dafür entschieden, das bislang obligatorische wöchentliche Fleischgericht zu streichen. Wir haben uns bei den Eltern per Fragebogen umgehört, wie sie zu dem Thema stehen und die Mehrheit hat unseren Argumenten zugestimmt. So haben wir Nägel mit Köpfen gemacht und nur noch vegetarisches Essen bestellt. In einem Elternabend war es uns auch nochmal wichtig, unsere Argumente darzulegen, denn das regt bei den Eltern auch zum Nachdenken an. Unser Essenanbieter hat leider nicht die tollsten Fleischalternativen, die Kinder haben sich trotzdem nach und nach daran gewöhnt.

 

KKN: Wie habt ihr die Umstellung auf vegetarische Verpflegung in der Bildungsarbeit mit den Kindern aufgenommen? Welche Veränderungen im Umgang mit Lebensmitteln folgten daraus?

Wir haben Morgenkreise zu den Themen abgehalten, haben Bücher (Beispiele: Wo kommt unser Essen her?) besorgt und gemeinsam mit den Kindern angeschaut und generell viel mit den Kindern gesprochen. Wenn Kolleg*innen ihr eigenes veganes oder vegetarisches Essen dabeihatten, gab es einige Kinderfragen. Somit konnten wir immer wieder auf die Themen Nachhaltigkeit und Tierrechte eingehen. Wir möchten unseren Kindern vermitteln, dass jedes Lebewesen wertvoll und zu achten ist. Umso mehr freut es mich zu beobachten, wie die Kinder sogar auf die meisten Kleinstlebewesen, denen sie beispielsweise im Garten begegnen, achten.

Beim Frühstück boten wir anfangs nur eine Kuhmilch, später auch Hafermilch an. Wir fragen jedes Mal, ob die Kinder Milch von der Kuh oder Milch aus Pflanzen für ihr Müsli wollen. Später haben wir zu den Wiener Würstchen auch eine vegetarische Alternative angeboten. Die Wiener haben wir dann weggelassen und den Kindern erklärt, warum es uns wichtig ist, in unserer Kita auf Fleisch zu verzichten.

 

KKN: Ist Lebensmittelverschwendung ein großes Thema bei euch? Bzw. wie konntet ihr diese reduzieren? Habt ihr Tipps für die Vermeidung von Lebensmittelabfällen, die in eurer Einrichtung gut funktionieren?

Das Thema Lebensmittelverschwendung ist und bleibt ein großes Thema in unserer Kita. Wir ermuntern die Kinder dazu, sich erst einmal kleine Portionen auf den Teller zu füllen. haben extra kleine Kellen, lassen die Kinder kosten, wenn sie wollen. Die Reste aus den Schüsseln füllen wir in Gläser ab und geben diese den Eltern mit. Das wurde mit den Eltern gemeinsam beschlossen. Unseren Kompost mussten wir aufgrund eines Ratten-Problems leider wieder beseitigen. Dort konnten die Kinder beobachten, wie aus organischen Abfällen neue fruchtbare Erde entsteht, aus der dann wieder Pflanzen wachsen können.

Einen weiteren dauerhaften Gesprächsanlass mit den Kindern bietet das Lebensmittelretten in unserem Bio-Markt. Dort holen wir regelmäßig Lebensmittel ab, die nicht mehr verkauft werden, und verwerten diese mit den Kindern. So kommen wir automatisch ins Gespräch über den Wert von Lebensmitteln und deren Wertschätzung.

 

KKN: Hast du noch weitere Tipps und Hinweise zu dem Thema, die du an andere Kitateams weitergeben kannst?

Ja, mein Tipp ist, dass wir unseren Umgang mit Ressourcen immer wieder thematisieren sollten. Dass es kein starres Ziel gibt, sondern der Weg das Ziel ist. Wir befinden uns in einem Prozess des ständigen Lernens. Wir sind nicht zu streng mit uns und fehlerfreundlich. Denn essen soll auch Spaß machen und die Arbeit auch. Außerdem ist es wichtig, sich mit anderen Kitas zu den Erfahrungen auszutauschen. Es gibt immer Leute, die tolle Ideen mit reinbringen.

 

Vielen Dank!

Region Ost

Einrichtung: Villa Pixie in Berlin

Träger: Lebensnah e.V.

Einrichtungsleitung: Anina Konik

Anzahl Gruppen: 2

Anzahl Kinder: 30

Alter der Kinder: 1-6

Anzahl MA: 8

Aktionen und Auszeichnungen: Montessori-Pädagogik, BNE, nachhaltige Kitaverpflegung, Kinderküche, Waldtage

 

Fragen zu guten Beispielen?

Dann melden Sie sich gerne per

E-Mail: info@klima-kita-netzwerk.de