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Gutes Beispiel: Nachhaltigkeit und Klimaschutz von Anfang an mitdenken

Interview mit Tilo Thangarajah, dem Leiter der neugegründeten Kinderbetreuungseinrichtung der Johanniter-Unfall-Hilfe, LUMI.NATURA, in Schwielowsee (Brandenburg)

 

Klima-Kita-Netzwerk: Bei der Planung der LUMI.NATURA mit 80 Kitaplätzen in Schwielowsee/Geltow habt ihr Nachhaltigkeit von Anfang an mitgedacht. Wie kam es zu diesem Selbstverständnis?

Tilo Thangarajah: Das Thema der Nachhaltigkeit ist bei den Johannitern sehr wichtig und zieht sich durch den gesamten Verband von der Regional- bis zur Bundesebene. Als die Neugründung einer Kinderbetreuungseinrichtung in Geltow angedacht wurde, war klar, dass diese nicht nur unter Beachtung von ökologischen Gesichtspunkten geplant und gebaut werden soll, sondern als „Klima-Kita“ Umweltbewusstsein und Bildung für nachhaltige Entwicklung in allen Wirkungsbereichen des Einrichtungsalltages etablieren soll.

 

KKN: Es handelt sich also um eine Art Leuchtturmprojekt?

TT: Ja, die LUMI.NATURA soll ein Leuchtturm mit Signalwirkung für alle Einrichtungen des Trägers und darüber hinaus sein. Als Johanniter möchten wir damit zeigen, was machbar ist und wie positiv sich die nachhaltige Ausrichtung auf alle Menschen dort auswirkt: auf das Team, die Kinder und deren Gesundheit, und letztlich auch auf ihr Umfeld.

Genau dafür hat der Träger auch die höheren Kosten für das Haus bewusst in Kauf genommen. Eine nachhaltige, nach ökologischen Gesichtspunkten bewirtschaftete Einrichtung ist nicht zuletzt ein attraktiver Arbeitsplatz, der zugleich Eltern anspricht, denen diese Ausrichtung ebenfalls am Herzen liegt.

 

KKN: Was waren die größten Herausforderungen bei der Konzeption und Planung? In welchen Bereichen ist die nachhaltige Ausrichtung am herausforderndsten?

TT: Herausfordernd, aber auch spannend ist es natürlich, die Fragen der Nachhaltigkeit in allen Planungsbereichen und auch alle Beteiligten mitzudenken: beim Neubau selbst, der Ausstattung, dem Personal, bei Beschaffung und Bewirtschaftung, dem pädagogischen Alltag. Der Bau und die Ausstattung mit Photovoltaikanlage, Dachbegrünung und Wärmepumpe waren technisch anspruchsvoll. Die Gewerke konnten aber alles gut umsetzen. So etwas wie die nachhaltige Beschaffung von Reinigungsmitteln und auch Büromaterialien stellt inzwischen keine Herausforderung dar. Schwieriger wird es bei der Ausstattung: Woher bekommen wir nachhaltige Spiel- und Bildungsmaterialien? Im Handel gibt es ja vor allem nicht-nachhaltige Produkte.

 

KKN: Auch im Bereich Verpflegung habt ihr mit eurer Frischkostküche einen hohen Anspruch. Wie seid ihr vorgegangen und vor welchen Herausforderungen standet ihr dabei?

TT: Die Einrichtung wurde mit einer eigenen Küche geplant und gebaut. Und es war klar, dass hier vor allem regional und saisonal und nach Möglichkeit auch biologisch gekocht werden soll. Da das nicht von heute auf morgen so funktioniert, wurde ein Teil unseres Küchenpersonals bereits vor der Eröffnung der Kita eingestellt, um sich mit lokalen Produzenten und Lieferanten zu vernetzen und so peu à peu die Versorgung aufzubauen, die in naher Zukunft auch andere Kitas in unserem Regionalverband Potsdam-Mittelmark-Fläming erreichen soll. Im Betreuungsalltag sollen die Köchinnen und Köche dann auch in die pädagogische Arbeit eingebunden werden, ganz im Sinne einer nachhaltigen Ernährungsbildung. Und: Wir haben ein Elektroauto angeschafft, um regional frische Produkte direkt beim Erzeuger abholen und eben andere Häuser auch klimaschonend beliefern zu können. Die größte Herausforderung bei der nachhaltigen Ausrichtung der Verpflegung ist die Finanzierung. Wir versuchen die Mehrkosten für regionale Bio- oder eben Fairtrade-Produkte über gut ausgehandelte Kooperationen mit Anbietern, wenig Einsatz tierischer Erzeugnisse, tagesaktuelle Mengenkalkulationen und cleveren Speiseplänen zu kompensieren, was ja auch dazu dient, so wenig Speiseabfälle wie möglich zu verursachen.

 

KKN: Inwieweit hat das Klima-Kita-Netzwerk zu einer nachhaltigen Ausrichtung beitragen können?

TT: Ihr habt durch eure Fortbildungsangebote für Kitaleitungen und Multiplikator*innen sowie das bereitgestellte Material wesentlich zur nachhaltigen Ausgestaltung unserer Konzeption beigetragen. Der ganzheitliche Blick auf die Einrichtung und die Sensibilisierung für die Themen Klima- und Ressourcenschutz sind bei uns Teilnehmenden auf fruchtbaren Boden gefallen. Eure Angebote sind unkompliziert, unterstützend und motivierend. Die Themen werden ohne erhobenen Zeigefinger vermittelt und der Austausch mit Gleichgesinnten aus anderen Kitas hat die Veranstaltungen für mich sehr lohnend gemacht. Mir wurde klar: Es ist alles da, Ideen gibt es genug und wir sind motiviert. Wir müssen es nur noch umsetzen!

 

KKN: Wie ist die Resonanz unter den zukünftig Mitarbeitenden zum Konzept? Wie nehmt ihr die Menschen mit, um BNE und Nachhaltigkeit im Alltag zu verankern?

TT: Bauentwicklung und Teamentwicklung gingen Hand in Hand und parallel. Wir möchten mit unserer Konzeption in allen Bereichen tätige Mitarbeiter*innen ansprechen, die sich thematisch einbringen wollen und können. Erfreulicherweise haben wir bereits in der Bauphase viele Bewerbungen erhalten. Die Vernetzung ist wichtig – ebenso wie die Begeisterung für das Thema, um andere anzustecken.

 

KKN: Wie ist die Resonanz seitens der Elternschaft auf euer nachhaltiges Konzept?

TT: Sehr gut. Wir haben bereits Bewerbungen erhalten, darunter Eltern, die Kinder in anderen Kitas haben und die eben aufgrund unserer nachhaltigen Ausrichtung zu uns wechseln möchten. Um die Eltern dann im laufenden Betrieb gut mitzunehmen, planen wir, jährlich einen Elternabend zu Themen der Nachhaltigkeit und des Klimaschutzes anzubieten, zum Beispiel zu nachhaltiger Ernährung.

 

KKN: Anfang September 2024 wird die LUMI.NATURA eröffnet. Wir wünschen euch einen erfolgreichen Start! Magst du den Leser*innen noch etwas mitgeben?

TT: Damit Kinderbetreuungseinrichtungen wirklich nachhaltig agieren können, muss der Träger das Konzept mittragen. Der Slogan der Johanniter-Unfall-Hilfe „Aus Liebe zum Leben“ ist keine Worthülse, sondern wird in unserem Fall gelebt. Es geht ja um nichts weniger als den Erhalt einer lebenswerten Welt, der Schöpfung und um eine gute Zukunft für unsere Kinder. Wir möchten mit unserer Einrichtung andere Engagierte inspirieren und Impulse für andere Einrichtungen geben.

Region Ost

Einrichtung: LUMI.NATURA Kinderbetreuungseinrichtung in Schwielowsee

Träger: Johanniter-Unfall-Hilfe e.V.

Einrichtungsleitung: Tilo Thangarajah

Anzahl Gruppen: offenes Konzept

Anzahl Kinder: 80

Alter der Kinder: 1-6

Anzahl MA: 12 plus 4 MA Frischkostküche und 1 MA Reinigung

Besonderheiten und Schwerpunkte: BNE, nachhaltige Kitaverpflegung, Arbeit nach dem Reggio-Ansatz

 

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E-Mail: info@klima-kita-netzwerk.de