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Gutes Beispiel: Von „man müsste mal“ zu „wir machen das“!

Kurz vor ihrer Leitungsfortbildung in Hamburg hatte Gudrun Jessen-Hansen gemeinsam mit ihrem Team begonnen, einen 5-Jahres-Plan zu schreiben, der unter anderem das Oberthema Klima- und Ressourcenschutzes enthielt. „Uns war klar, dass wir einiges verändern müssten, unser Träger hatte sich ja auch bereits dazu verpflichtet, bis zum Jahr 2030 klimaneutral zu sein“, berichtet Jessen-Hansen. „Die KKN-Fortbildungen und die Unterstützungsangebote des Klima-Kita-Netzwerks (KKN) haben aus dem „wir müssten mal, aber das ist so eine große Aufgabe“ ein „wir machen das in unserem Tempo“ gemacht.“ Gut zwei Jahre danach kann man sagen, dass daraus ein sehr fruchtbarer Teamprozess in Gang gekommen ist!

Auch, oder vielleicht gerade weil sich das Ev. Kita-Werk Nordfriesland bereits Ziele für seinen Klima- und Ressourcenschutz gesetzt hatte, ging Gudrun Jessen-Hansen 2022 mit gemischten Gefühlen in die KKN-Fortbildung: Sie fühlte sie sich schon recht gut informiert und wusste, dass sich etwas tun müsse. Aber was würde das für die Kita bedeuten und würde diese große Aufgabe das Team nicht überfordern? Die Leitungsfortbildung nahm ihr die Sorgen und motivierte sie, den avisierten Weg gemeinsam anzugehen. „Die Erkenntnis, dass wir im Kita-Alltag mit relativ unspektakulären kleinschrittigen Verhaltensänderungen schon einiges erreichen können, entlastend und motivierend zugleich“, erläutert Jessen-Hansen. „Uns wurde bewusst, dass es auf den Prozess ankommt, das Denken und damit auch das Handeln zu ändern. Man darf mit kleinen Verhaltensänderungen anfangen und sich in seinem Tempo entwickeln. Heute gehört die Reflektion unserer Handlungen im Sinne von Ressourcenschutz und BNE zum Alltag.“

So begann das Team nach und nach, Dinge anders zu machen. Bei Anschaffungen tauschten sie sich über Alternativen zu Kunststoff und Neuanschaffungen aus, so dass heute bis auf wenige Ausnahmen nur noch gebrauchte, recycelte oder Materialien aus zertifiziertem Holz bestellt werden. Das Team baute zusammen mit den Kindern z.B. Bücherregale aus alten Möbeln und beschaffte für die Puppenecke aus umliegenden Tauschhäusern Geschirr aus Porzellan statt aus Plastik. „Natürliche ging auch mal ein Porzellanteller kaputt, aber mit dem Effekt, dass die Kinder in der Folge sorgsamer mit den Dingen umgehen“, so die Erfahrung von Gudrun Jessen-Hansen.

Die Strategien einer nachhaltigen Entwicklung und das Nachhaltigkeitsviereck boten gute Reflexionswerkzeuge, anhand derer das Team der Kita Stadumer Arche Ideen für die eigene Praxis sammelte. Durch die KKN-Fortbildungen gut mit Hintergrundwissen ausgestattet und höchst motiviert stand BNE am Beispiel von Klimaschutz anfangs auf der Tagesordnung jeder Teamrunde. Dann gingen diese Nachhaltigkeitsprinzipien immer mehr in das automatisierte Denken über. „Mittlerweile ist es so, dass das Team sich gegenseitig immer wieder gegenseitig erinnert, und so die Aufgabe einer nachhaltigen Entwicklung der Kita und ihrer Bildungsprozesse wach hält. Natürlich gerät manches auch in Vergessenheit. Aber dann sprechen wir darüber und machen uns bewusst, dass wir all das für die Zukunft unserer Kinder und Kindeskinder machen, dass Klimaschutz ein Kinderrecht ist!“ Aus der Sicht von Jessen-Hansen ist für den Teamprozess außerdem wichtig, dass auch das Team seine Selbstwirksamkeit erfahren kann. Es gilt also nicht nur gemeinsam Ideen zu entwickeln, sondern diese auch zusammen umzusetzen!

Eine weitere dieser Ideen lautete: Wir wollen unseren Müll reduzieren, indem wir ein gemeinsames Frühstück in der Kita anbieten. Die Idee wurde mit der Elternvertretung besprochen und beschlossen. Die Finanzierung erfolgt über einen monatlichen Beitrag der Eltern. Seit Januar 2023 gibt es eine Küchenkraft, die das Frühstück vorbereitet. Die Kita bezieht möglichst viele Produkte über den örtlichen Dorfladen und holt die Milch vom nahegelegenen Biohof. Natürlich geschieht dies alles zusammen mit den Kindern. Auch das jährliche Sammeln von Äpfeln, Mosten und Einkochen ist zum Ritual geworden.

Ein weiteres Beispiel für die Wirkkraft von gemeinsamen Ideen ist das Kita-Jubiläum 2023, auch dieses sollte Plastikfrei sein. „Die Kolleginnen waren wirklich sehr engagiert bei der Sache und haben noch abends Zuhause Stoff-Deko genäht“, berichtet Jessen-Hansen. So entstanden z.B. Flatterbänder, Wimpelketten und Willkommensschilder aus Stoffresten und die Eltern wurden instruiert, keine Luftballons oder sonstige Plastikartikel zum Fest mitzubringen. Die Stoff-Deko wird seither immer wieder gewaschen und benutzt.

Als Herausforderung für noch mehr Ressourcenschutz in ihrer Kita nennt Jessen-Hansen Vorgaben, die teilweise im Widerspruch zum Aspekt der Nachhaltigkeit stehen. Doch das Team hat auch eine Lösung für das Problem Hygienevorschrift vs. Stoffhandtücher gefunden: „Wir haben hin und her überlegt: Inzwischen nutzen wir Waschlappen, die die Kinder sofort in die Wäsche geben. Damit kommen wir der Hygienevorschrift nach und auch der Vorgabe unseres Trägers, bis 2030 möglichst Papier-frei zu sein!“

Das Team der Kita Stadumer Arche zeigt, was alles möglich ist, wenn man sich gemeinsam auf den Weg hin zu einem Lernort für nachhaltige Entwicklung macht.

 

Region Ost

Einrichtung: Kita Stadumer Arcche

Träger: Ev. Kita-Werk Nordfriesland

Einrichtungsleitung: Gudrun Jessen-Hansen

Anzahl Gruppen: 3

Anzahl Kinder: 40-50

Alter der Kinder: 1-6

Besonderheiten: Der Träger der Kita hat sich bis zum Jahr 2030 zu Klimaneutralität verpflichtet.

 

 

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E-Mail: info@klima-kita-netzwerk.de